Typische Krankheitsbilder
In unserer Kinderpneumologie sehen wir ein breites Spektrum an Erkrankungen – von häufigen Bronchitiden bis zu chronischen Lungenerkrankungen.
Bronchitis und obstruktive Bronchitis
Die Bronchien sind das Röhrensystem, durch das die Atemluft bis in die äußersten Anteile der Lunge gelangt. Entzündet sich ihre Schleimhaut, spricht man von Bronchitis. Vor allem Kleinkinder erkranken häufig daran, weil ihre Bronchien noch sehr klein sind.
Infektionen der Atemwege können zu einer Schwellung der Schleimhaut und vermehrter Schleimbildung führen – die Bronchien verengen sich, man spricht dann von einer obstruktiven Bronchitis.
Typisch sind starker Husten, pfeifende Atemgeräusche und zum Teil Atemnot.
Wenn Ihr Kind bereits häufiger als drei Mal an einer akuten oder obstruktiven Bronchitis gelitten hat, sollte eine kinderpneumologische Abklärung erfolgen. Wichtig sind dann eine individuell angepasste Inhalationstherapie und gegebenenfalls weitere Diagnostik, zum Beispiel zum Ausschluss von Allergien.
Pseudokrupp
Pseudokrupp ist ein häufiges Krankheitsbild im Kleinkindalter. Es handelt sich um eine akute Schwellung der Schleimhaut im Kehlkopf, meist ausgelöst durch Erkältungsviren in Herbst und Winter. Typische Symptome sind plötzlich einsetzender, bellender Husten und ein ziehendes Geräusch bei der Einatmung (Stridor), oft in der Nacht.
Wichtig sind Ruhe, aufrechte Haltung und kühle, frische Luft. Bei deutlich erschwerter Atmung oder Stridor in Ruhe sollte umgehend der Notarzt (112) alarmiert werden. Eventuell verordnete Notfallmedikamente kommen dann nach ärztlicher Anweisung zum Einsatz.
Asthma bronchiale
Asthma bronchiale gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen. Aktuell erkranken ca. 10% aller Kinder und Jugendlicher daran. Ursächlich ist ein komplexes Zusammenwirken von genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren wie Feinstaubbelastung, Passivrauchen, ungünstiger Ernährung, ungesundem Innenraumklima, Atemwegsinfekten (bakteriell udn viral) und Allergien. Asthma bronchiale gehört zu den typischen chronisch-entzündlichen sogenannten „Western-Lifestyle“ – Erkrankungen.
Im Säuglings-und Kleinkindalter überwiegt das sogenannte Infektasthma. Hier werden Verengungen der unteren Atemwege durch Virusinfekte ausgelöst.
Zu den Symptomen gehören lang andauernder, meist trockener und häufig nächtlicher Husten, v.a. in den frühen Morgenstunden.
Häufig werden auch Atemgeräusche wie Pfeifen beim Ausatmen beobachtet.
Beim Belastungsasthma treten die Beschwerden wie Husten und Atemnot nur während bzw. kurz nach körperlicher Anstrengung auf.
Mit zunehmendem Alter nimmt das allergische Asthma bronchiale an Häufigkeit zu. Dies wird durch Aeroallergene wie z.B. Hausstaubmilben, Pollen und Tierhaare ausgelöst. Im Schulalter handelt es sich in den meisten Fällen um ein allergisches Asthma.
Ich erachte es als zentrale Aufgabe der Kinderpneumologie, die individuellen Auslöser zu klären udn nach Möglichkeit zu eliminieren.
Ziel der modernen kinderpneumologischen Therapie ist, dass das betroffene Kind uneingeschränkt an allen altersentsprechenden Aktivitäten teilnehen kann und keine Schulfehltage durch Asthma auftrete. Um dies zu gewährleisten bedarf es häufig des Einsatzes inhalativer Medikamente die täglich bzw. bedarfsabhängig eingesetzt werden.
Eine wirksame Therapie steht und fällt mit der richtigen Inhalationstechnik. Wir wählen gemeinsam mit Ihnen das passende Inhalationsgerät und die geeigneten Medikamente aus – vom Feuchtvernebler über Spacer bis zum Pulverinhalator.
In der Praxis üben wir die Technik Schritt für Schritt, bis sie im Alltag sicher funktioniert. So lässt sich die Wirkung der Medikamente verbessern und die Dosis oft reduzieren.
Infektanfälligkeit und Abwehrschwäche
Zur Abklärung einer Infektanfälligkeit sind Laboruntersuchungen des Immunsystems erforderlich, wie z.B. Bestimmung von Immunglobulinen oder Anzahl und Funktion spezieller Zellen des Immunsystems. Auch die Bestimmung von Mikronährstoffen wie z.B. Eisen und Selen ist Bestandteil der Diagnostik. Hier besteht die Aufgabe des Kinderpneumologen/der Kinderpneumologin darin, herauszufinden, ob Häufigkeit und Schwere der Infektionen über das normale Maß des entsprechenden Alters hinaus gehen und eine z.B. angeborene Abwehrschwäche besteht. Hinweise darauf sind z.B. wiederholte Lungenentzündungen, gehäufte und schwere bakterielle Infektionen an anderen Organen.
Störungen des Mikrobioms im Darm können ebenfalls Ursache erhöhter Infektanfälligkeit sein und können bei uns diagnostiziert und behandelt werden.
Long- und Post-Covid
Long-bzw.Post-Covid Erkrankungen treten meist bei älteren Kindern und Jugendlichen auf. Die Diagnose ist sehr viel schwieriger, je nach Lokalisation der Störung stehen z.b. Inhalationsmedikamente zur Verfügung. Die Prognose ist in den meisten Fällen sehr gut und die Lungenfunktion normalisiert sich im Verlaufe einiger Monate.
Die Impfberatung bei chronischen Lungenerkrankungen bzgl. Infektionserkrankungen, welche die Atemwege betreffen wie Keuchhusten, Pneumokokken, RSV-und Influenza ist Bestandteil der Kinderpneumologie.